Lexikon
Weinglossar
38 Begriffe vom Etikett und aus der Weinsprache, kurz erklärt. Im ganzen Atlas sind sie gepunktet unterstrichen – fahr mit der Maus darüber für die Kurzfassung.
- Abgang
- Der Abgang (auch Nachhall) ist die Zeit, in der der Geschmack nach dem Schlucken spürbar bleibt. Ein langer Abgang gilt als Qualitätsmerkmal.
- Appassimento
- Beim Appassimento werden die Trauben nach der Lese wochen- bis monatelang auf Gestellen oder in Kisten getrocknet. Sie verlieren Wasser, Zucker und Aromen konzentrieren sich. So entstehen Amarone, Recioto, Sforzato und viele Passiti.
- autochthon
- Autochthone Rebsorten sind in ihrer Region heimisch. Italien hat mehrere hundert davon – mehr als jedes andere Land –, viele davon nur in einem einzigen Tal oder auf einer Insel.
- Barrique
- Das Barrique stammt aus Bordeaux und fasst 225 Liter. Weil im Verhältnis zur Weinmenge viel Holzoberfläche vorhanden ist, prägt es den Wein stärker als ein großes Fass – mit Vanille, Toast und weicheren Tanninen.
- biodynamisch
- Biodynamischer Weinbau geht über den Bio-Weinbau hinaus: Er versteht das Weingut als geschlossenen Kreislauf und arbeitet mit Kompost, Kräuterpräparaten und einem Aussaatkalender. Zertifiziert wird er z. B. von Demeter.
- Botte
- Die Botte ist das klassische große Fass, meist aus slawonischer Eiche, mit 1.000 bis über 10.000 Litern. Es gibt kaum Holzaroma ab und lässt den Wein langsam reifen – typisch für traditionell ausgebauten Barolo, Brunello oder Amarone.
- Classico
- Viele Weinbaugebiete wurden im Lauf der Zeit stark erweitert. „Classico“ bezeichnet das ursprüngliche, meist hügelige Kerngebiet, in dem oft die besten Lagen liegen.
- Contrada
- Am Ätna heißen die historischen Ortsteile und Lagen Contrade. Weil sich Lavaströme unterschiedlichen Alters und Höhenlagen stark unterscheiden, füllen viele Erzeuger die Weine einzelner Contrade getrennt ab.
- Cru
- Ein Cru ist eine einzelne, meist besonders angesehene Weinbergslage. In Italien wird das Wort informell verwendet; offizielle Entsprechungen sind etwa die MGA im Piemont oder die Contrade am Ätna.
- Cuvée
- Eine Cuvée ist ein bewusst zusammengestellter Verschnitt. Viele klassische italienische Weine sind Cuvées, etwa Valpolicella aus Corvina und Rondinella oder Cerasuolo di Vittoria aus Nero d’Avola und Frappato.
- Dekantieren
- Junge, tanninreiche Rotweine wie Barolo oder Sagrantino profitieren davon, ein bis drei Stunden vorher in eine Karaffe gegossen zu werden. Bei alten Weinen trennt das Dekantieren den Wein vom Bodensatz (Depot).
- DOC
- Denominazione di Origine Controllata. Für jede DOC legt ein Regelwerk (Disciplinare) fest, welche Rebsorten in welchem Gebiet wachsen dürfen, wie hoch der Ertrag sein darf und wie lange der Wein reifen muss. In der EU-Terminologie fallen DOC und DOCG unter die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g. U. / DOP).
- DOCG
- Denominazione di Origine Controllata e Garantita – kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung. Die Weine werden vor der Freigabe von einer Kommission verkostet und tragen eine nummerierte Banderole am Flaschenhals. Italien hat derzeit gut 75 DOCGs, darunter Barolo, Brunello und Chianti Classico.
- Frizzante
- Frizzante-Weine haben eine sanfte Perlage mit 1 bis 2,5 bar Druck. Beispiele sind Moscato d’Asti oder einfacher Prosecco Frizzante.
- Galestro
- Galestro ist ein schiefriger, leicht zerfallender Ton-Mergel. Er speichert Wärme, ist gut durchlässig und gilt als einer der Gründe für die Eleganz des Sangiovese im Chianti Classico.
- Genossenschaft
- In einer Kellereigenossenschaft (cantina sociale) liefern viele, oft sehr kleine Betriebe ihre Trauben ab. In Südtirol und bei den Produttori del Barbaresco gehören Genossenschaften zu den besten Erzeugern des Landes.
- Gran Selezione
- Die 2014 eingeführte höchste Qualitätsstufe des Chianti Classico. Die Trauben müssen vom eigenen Weingut stammen, der Wein mindestens 30 Monate reifen, und seit 2021 ist mindestens 90 % Sangiovese vorgeschrieben.
- IGT
- Indicazione Geografica Tipica. Die Regeln sind deutlich lockerer als bei DOC und DOCG. Viele berühmte Weine wie die ersten Super Tuscans wurden bewusst als IGT abgefüllt, um Rebsorten und Methoden frei wählen zu können.
- Jahrgang
- Der Jahrgang gibt an, in welchem Jahr die Trauben geerntet wurden. Wetter und Klima eines Jahres können den Wein stark prägen – besonders bei spät reifenden Sorten wie Nebbiolo oder Aglianico.
- Konsortium
- Ein Consorzio di Tutela vertritt die Erzeuger einer DOC oder DOCG. Es überwacht die Einhaltung der Regeln, schützt den Namen vor Missbrauch und betreibt Marketing für das Gebiet.
- Körper
- Der Körper beschreibt das Gewicht eines Weins am Gaumen. Er hängt vor allem vom Alkohol, vom Extrakt und vom Restzucker ab. Ein Moscato d’Asti ist leicht, ein Amarone sehr vollmundig.
- Martinotti-Methode
- Bei der Martinotti- oder Charmat-Methode findet die zweite Gärung, die die Kohlensäure erzeugt, in großen Drucktanks statt. Das ist schneller als die Flaschengärung und erhält die fruchtigen Aromen – der Standard für Prosecco.
- MGA
- Menzioni Geografiche Aggiuntive sind die amtlich festgelegten Lagen innerhalb von Barolo und Barbaresco, z. B. Cannubi oder Asili. Steht eine MGA auf dem Etikett, müssen alle Trauben aus dieser Lage stammen.
- Mineralik
- Mineralik ist ein unscharfer, aber verbreiteter Begriff für Noten, die an nassen Stein, Feuerstein oder Salz erinnern. Ob sie direkt aus dem Boden stammen, ist umstritten – typisch ist sie trotzdem für viele Weine von Vulkan-, Schiefer- und Kalkböden.
- Naturwein
- Für Naturwein gibt es keine einheitliche gesetzliche Definition. Gemeint sind meist Weine aus biologisch erzeugten Trauben, spontan mit wilden Hefen vergoren, ohne Zusätze und mit wenig oder keinem Schwefel.
- Passito
- Ein Passito wird aus Trauben gekeltert, die am Stock oder nach der Lese getrocknet wurden. Bekannte Beispiele sind der Passito di Pantelleria aus Zibibbo und der Sagrantino Passito aus Montefalco.
- Reblaus
- Die Reblaus befällt die Wurzeln europäischer Reben und brachte ab etwa 1860 den Weinbau in ganz Europa an den Rand des Zusammenbruchs. Seitdem werden die meisten Reben auf widerstandsfähige amerikanische Unterlagen veredelt. Auf sandigen Böden, etwa am Ätna oder in den Phlegräischen Feldern, kann sich die Laus nicht ausbreiten.
- Restzucker
- Restzucker ist der Traubenzucker, den die Hefen nicht in Alkohol umgewandelt haben. Trockene Weine haben nur wenige Gramm pro Liter, Süßweine wie Moscato d’Asti oder Passito ein Vielfaches.
- Ripasso
- Beim Ripasso („wieder darüber geführt“) wird fertiger Valpolicella über den noch zuckerhaltigen Trester des Amarone gepumpt und gärt erneut an. Der Wein wird dadurch kräftiger und runder – ein Stil zwischen Valpolicella und Amarone.
- Riserva
- Riserva bedeutet, dass ein Wein länger gereift ist, als es die Grundregeln der Herkunft verlangen – wie lange genau, legt jede DOC oder DOCG selbst fest. Beim Barolo sind es zum Beispiel 62 statt 38 Monate.
- Spumante
- Spumante bezeichnet Schaumweine mit mindestens 3 bar Druck. Sie entstehen entweder durch Flaschengärung (Metodo Classico, z. B. Franciacorta) oder durch Gärung im Drucktank (Martinotti-Methode, z. B. Prosecco).
- Super Tuscan
- In den 1970er-Jahren begannen toskanische Winzer, Weine außerhalb der damals strengen Chianti-Regeln zu keltern – oft mit Bordeaux-Sorten und im Barrique ausgebaut. Sie wurden als einfache Tafelweine verkauft und erzielten trotzdem Spitzenpreise. Heute sind viele davon in DOCs wie Bolgheri aufgegangen.
- Superiore
- Superiore steht für etwas strengere Anforderungen: meist einen höheren Mindestalkohol, geringere Erträge oder eine längere Reife. Beim Prosecco bezeichnet „Superiore“ dagegen die DOCG aus den Hügeln von Conegliano und Valdobbiadene.
- Tannin
- Tannine stammen vor allem aus Traubenschalen und Kernen, teils auch aus dem Holzfass. Sie sorgen für das pelzige, austrocknende Gefühl im Mund und machen Rotweine lagerfähig. Mit der Zeit werden sie weicher. Eiweiß und Fett im Essen mildern sie ebenfalls.
- Terroir
- Terroir beschreibt alle natürlichen Bedingungen eines Weinbergs – Boden, Gestein, Höhe, Ausrichtung, Klima – und dazu die örtliche Tradition. Rebsorten wie Nebbiolo oder Nerello Mascalese zeigen ihr Terroir besonders deutlich.
- Tuffstein
- Tuff entsteht, wenn sich Vulkanasche verfestigt. Er ist porös, speichert Wasser und prägt viele Weinbaugebiete Mittel- und Süditaliens, von Orvieto bis Greco di Tufo.
- Vin Santo
- Für den Vin Santo werden vor allem Trebbiano- und Malvasia-Trauben über den Winter getrocknet und dann über Jahre in kleinen, versiegelten Fässern (caratelli) ausgebaut. Klassisch wird er zu Cantuccini gereicht.
- wurzelecht
- Wurzelechte Reben stehen auf ihren eigenen Wurzeln. Seit der Reblauskrise ist das in Europa selten – meist nur auf Sand- oder Vulkanböden möglich, auf denen die Reblaus nicht überlebt.